{"id":347,"date":"2024-08-20T15:15:18","date_gmt":"2024-08-20T15:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/flensburg.fau.org\/?p=347"},"modified":"2024-08-20T15:15:18","modified_gmt":"2024-08-20T15:15:18","slug":"arbeiterinnenboersen-aufbauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flensburg.fau.org\/?p=347","title":{"rendered":"Arbeiter:innenb\u00f6rsen aufbauen"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Neustart f\u00fcr lokale Organisation und Branchen-Syndikalismus.<\/em><\/p>\n<p><strong>Einleitung \u2013 Der Stadtteil trendet<\/strong><\/p>\n<p>Lokal organisieren liegt wieder im Trend. In B\u00fcchern und auf Vortr\u00e4gen werden alternative Stadtteilr\u00e4te, Stadtteilgwerkschaften, Mieter:innengewerkschaften, Kiezkommunen und Solidarit\u00e4tszentren diskutiert. Auch in Vergesellschaftungs-Debatten, bspw. bei \u201eDeutsche Wohnen Enteignen\u201c in Berlin taucht das Thema selbstorganisierter, lokaler Organisierung, Verteilung und nicht zuletzt Konfliktl\u00f6sung immer wieder auf.<\/p>\n<p>Dabei stehen immer wieder die selben Probleme im Raum: Lokal organisieren, sch\u00f6n und gut \u2013 aber woher kommt Durchsetzungmacht? Wie verbinden wir die K\u00e4mpfe von bspw. Mieter:innen und Konsument:innen mit denen von Besch\u00e4ftigten? Wie kommen die lokalen Organisationen zu bundesweitem Austausch oder gar Kooperation? M\u00fcssen wir f\u00fcr jedes Detailproblem einen Rat gr\u00fcnden? \u2013 und viele weitere Fragen.<!--more--><\/p>\n<p>Auf die FAU wird in diesen Diskussionen selten geschaut \u2013 und sie hat sich bis jetzt leider auch wenig eingebracht. Dabei haben wir ein in der Vergangenheit erstaunlich valides Konzept in der Tasche: Die Verbindung von betrieblichen Branchenorganisationen und den historisch so genannten Arbeiter:innenb\u00f6rsen (im Folgenden Lokalb\u00f6rse genannt). Gleichzeitig ist dieses gute Konzept heute selbst in der FAU weitgehend in Vergessenheit geraten oder nicht mehr als ein unkonkretes Schlagwort. Mit unseren konkreten Organisationsweisen stehen wir uns oft selbst im Weg. Dabei k\u00f6nnten wir schon jetzt damit vieles errreichen: Auf Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t und Krisenfestigkeit hinarbeiten, anarchistische Wirtschaftskonzepte greifbar machen, ein gewerkschaftlich-revolution\u00e4res R\u00fcckgrat in den Stadtteilen verankern und die gemachten Erfahrungen bundesweit teilen und weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Was sollen diese Lokalb\u00f6rsen sein? Anarchosyndikalistische Organisationen haben immer einen mehrfachen Doppelcharakter. Sie wollen einerseits ein praktisches Werkzeug f\u00fcr die Durchsetzung betrieblicher Ziele und f\u00fcr ein besseres proletarisches Leben im Hier und Heute sein. Gleichzeitig soll mit ihnen auch gesellschaftlicher Wandel abseits des Kapitalismus durchgesetzt werden. Die gr\u00f6\u00dfte Durchsetzungsmacht sehen die Syndikalist:innen dabei immer noch in der potentiellen Verweigerung der Mehrwertproduktion \u2013 kurz dem Streik. Andererseits sind es aber eben nicht nur Abwehr- und Durchsetzungsk\u00e4mpfe, die wir brauchen, wir m\u00fcssen auch Aufbauen, konstruktiv werden, neue Formen von Arbeit, Solidarit\u00e4tsstrukturen und Basisdemokratie entwickeln. Dabei kommt es nicht nur auf eine produktive (im Sinne von G\u00fcter herstellende) sondern auch auf eine reproduktive (im Sinne von den Mensch, Umwelt und die Gesellschaft (wieder)herstellende) Sph\u00e4re an.<\/p>\n<p>Die Betriebs- und Branchenstrukturen bilden im Anarchosyndikalismus die Organisationsformen der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten in ihren Betrieben, also (in Tendenz) in der produktiven Sph\u00e4re. Wir nennen diese Strukturen Syndikate, bzw. Branchenf\u00f6derationen.<\/p>\n<p>Das Leben und auch Gegenmacht ist aber einiges mehr, als \u201enur\u201c die Herstellung von G\u00fctern und \u201enur\u201c der gesellschaftliche Blick in unserer Rolle als Produzent:innen. In der Lokalb\u00f6rse kommen deshalb alle revolution\u00e4ren Arbeiter:innen aus allen Branchen zusammen und organisieren ihre gemeinsamen Bed\u00fcrfnisse.<sup id=\"footnote_plugin_tooltip_1\" class=\"footnote_plugin_tooltip_text\" data-footnote-id=\"1\">[1]<\/sup><\/p>\n<p>Alle revolution\u00e4ren Arbeiter:innen verschiedenster Branchen und Syndikate an einem Ort bilden die Mitglieder der Lokalb\u00f6rsen. In Lokalb\u00f6rsen organisieren wir uns bspw. als Konsument:innen, um Unternehmen durch Boykott unter Druck zu setzen, kollektive Betriebe zu st\u00fctzen und damit gegenseitige Sicherheit zu verschaffen (wie im Konzept solidarischer Landwirtschaften), eigene Kollektivbetriebe oder Gemeinschaftseigentum (bspw. Energiekooperativen, Wohnraum, G\u00e4rten etc.) zu etablieren und zu verwalten. Wir k\u00e4mpfen also gleichzeitig gegen kapitalistische Institutionen und versuchen unsere Unabh\u00e4ngigkeit durch Selbstorganisation zu erh\u00f6hen. In Lokalb\u00f6rsen organisieren wir aber auch die konkreten ersten Schritte hin zu einer anderen Gesellschaft in anderen Beziehungen: Umverteilung von Geldern, Verm\u00f6gen, Risiken, gemeinsame Organisation von Sorgearbeiten, Unterst\u00fctzung beim Kampf gegen Beh\u00f6rden, bei Schicksalsschl\u00e4gen, etc..<\/p>\n<p>Nicht zuletzt ist es auch der Ort, nicht die Branche oder der Betrieb, an dem wir die Formen unseres gemeinsamen Zusammenlebens verhandeln. \u00dcber Beh\u00f6rden, Polizei und Justiz l\u00e4sst sich schnell wettern, wirkliche, humanistische Alternativen zu etablieren \u2013 jenseits von Selbstjustiz und Klientelwirtschaft \u2013 hei\u00dft lange, intensive Arbeit. Gleichzeitig ist es eine Grundbedingung f\u00fcr gesellschaftliche Umw\u00e4lzungen, die mehr sein sollen als ein blo\u00dfer Fahnenwechsel.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/direkteaktion.org\/arbeiterinnenboersen-aufbauen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr lesen (direkteaktion.org)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Neustart f\u00fcr lokale Organisation und Branchen-Syndikalismus. Einleitung \u2013 Der Stadtteil trendet Lokal organisieren liegt wieder im Trend. 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