{"id":206,"date":"2024-01-28T16:12:08","date_gmt":"2024-01-28T16:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/flensburg.fau.org\/?p=206"},"modified":"2024-01-28T16:12:08","modified_gmt":"2024-01-28T16:12:08","slug":"wie-koennen-die-proteste-der-baeuerinnen-und-bauern-solidarisch-unterstuetzt-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/flensburg.fau.org\/?p=206","title":{"rendered":"Wie k\u00f6nnen die Proteste der B\u00e4uerinnen und Bauern solidarisch unterst\u00fctzt werden?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine Diskussionsveranstaltung in Berlin machte auch deutlich, dass es schon l\u00e4ngst Kooperation zwischen sozialen Initiativen und Landwirt:innen gibt.<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als eine Woche war Mitte Januar die Zufahrt zum Brandenburger Tor von Traktoren blockiert. Nicht wenige hatten die Deutschlandfahnen aufgepflanzt und manche hatten Schilder mit Parolen angebracht, die durchaus als rechtsoffen zu klassifizieren sind. Doch sollte deswegen der gesamte Proteste in die rechte Ecke gestellt werden?<\/p>\n<p>Diese Frage wurde von der Gruppe Perspektive Selbstverwaltung klar verneint. Die anarchistisch orientierte Berliner Organisation Perspektive Selbstverwaltung, die sich sowohl in der Mieter:innenbewegung, aber auch bei Arbeitsk\u00e4mpfen engagiert. Einige Aktive dieser Gruppe haben mit Schildern die B\u00e4uer:innen begr\u00fc\u00dft, die zum gr\u00f6\u00dften Protesttag am Brandenburger Tor nach Berlin fuhren. Neben der Initiative Gr\u00fcne Gewerke in der FAU war Perspektive Selbstverwaltung eine der wenigen linken Gruppen, die sich in den B\u00e4uer:innenprotesten engagierten und daf\u00fcr auch Kritik erfuhren. Ihnen wurde sogar eine Querfront vorgeworfen. Auf solche Vorw\u00fcrfe wurde allerdings auf einer Veranstaltung nur kurz eingegangen, zu der die Perspektive Selbstverwaltung am 19. Januar in einen Stadtteilladen in Berlin-Kreuzberg eingeladen hatte. Die Kritiker:innen waren dort auch nicht anwesend. Vielmehr fanden sich viele vor allem junge Linke ein, die die Proteste der Landwirt:innen nicht rechts liegen lassen wollten.<br \/>\nUnterschiedliche kulturelle Welten<\/p>\n<p>Sie stellten sich die Frage, wie sich soziale und linke Initiativen st\u00e4rker in diese Proteste der Landwirt:innen einbringen k\u00f6nnen und wo es \u00fcberhaupt Ber\u00fchrungspunkte gibt. Erfreulich war, dass nach dem kurzen Input eines Aktiven bei Perspektive Selbstverwaltung in kleineren Arbeitsgruppen diskutiert wurde. Dort sprachen mehrere der Teilnehmer:innen das Problem an, dass sie von den Problemen in der Landwirtschaft sehr wenig wissen. \u201eWir kaufen die Lebensmittel im Supermarkt oder gar Online und wissen nicht mehr, unter welchen Bedingungen sie produziert werden\u201c, brachte eine junge Frau ein Problem auf dem Punkt, den auch die SPD-nahe Schriftstellerin Juli Zeh, die seit Jahren auf dem Land wohnt, in einem Interview mit der Wochenzeitung der Freitag ansprach. Zeh fasste ihre Beobachtungen, die sie auch in einem Roman verarbeitet, so zusammen:<\/p>\n<p>\u201eAber die Bauern haben das Problem, dass sie es keinem recht machen k\u00f6nnen. Die arbeiten hart, wie viele andere auch, sie sind zum Teil in ihrer Existenz bedroht, wie manch anderer leider auch. Aber sie bekommen nicht nur keine Anerkennung, sondern eigentlich immer nur auf den Deckel. Alles, was sie machen, ist immer falsch. Daraus folgt solch ein Frustgef\u00fchl \u2013 und eine hohe Emotionalit\u00e4t, die sich dann nat\u00fcrlich einmal politisch entl\u00e4dt.\u201c<\/p>\n<p>Allerdings f\u00e4llt auch bei Zeh auf, dass sie den Begriff der Bauern nicht mehr differenziert. Das war bei der Diskussion im Kreuzberger Stadtteilladen anders. Ein FAU-Mitglied machte darauf aufmerksam, dass es b\u00e4uerliche Gro\u00dfunternehmen gibt, die Besch\u00e4ftigte oft zu schlechten Arbeitsbedingungen schuften lassen. Viele dieser Erntehelfer:innen kommen aus dem Ausland. Sie waren bei den Protesten kaum zu finden. Aus einer linken und gewerkschaftlichen Perspektive sollten sie und ihre Forderungen nach besseren L\u00f6hnen und Arbeitsbedingungen besonders unterst\u00fctzt werden. Das bedeutet aber nicht, dass sich linke Gruppen nicht auch an Protesten der Landwirt:innen in den letzten Tagen h\u00e4tten beteiligen k\u00f6nnen. Dabei sind beispielsweise zahlreiche Blockaden von Discountern aber auch Auslieferungszentren von Amazon zu nennen. Es wurde auf dem Treffen daran erinnert, dass seit Jahren linke Initiativen unter dem Motto \u201eMake Amazon Pay\u201c die Besch\u00e4ftigten des Amazon-Konzerns in ihrem Kampf f\u00fcr mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen unterst\u00fctzten. Seit einigen Monaten wehrt sich in Berlin zudem eine Initiative gegen den Amazon-Tower, ein \u00fcberdimensioniertes Hochhaus in Berlin-Friedrichshain. \u201eWarum war niemand von diesen Aktivist:innen anwesend, als die B\u00e4uer:innen Amazon blockierten?\u201c, war eine offene Frage auf dem Treffen. Da h\u00e4tten also Forderungen der Besch\u00e4ftigten in die Proteste getragen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mehr lesen (<a href=\"https:\/\/direkteaktion.org\/wie-koennen-die-proteste-der-baeuerinnen-und-bauern-solidarisch-unterstuetzt-werden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">direkteaktion.org<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Diskussionsveranstaltung in Berlin machte auch deutlich, dass es schon l\u00e4ngst Kooperation zwischen sozialen Initiativen und Landwirt:innen gibt. Mehr als<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-206","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=206"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":207,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/206\/revisions\/207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=206"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=206"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/flensburg.fau.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=206"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}